„Bodenständige Teller im Café „Rote Beete“ in Schöneberg“
„Die Schöneberger Trinkstätte „Rote Beete“ musste schließen, im ehemaligen „Munch’s Hus“ ist sie als Café und Bar wieder da.
Heute Mittag hätte es Königsberger Klopse gegeben. Fast eine Reminiszenz an die Köttbullar, die es hier früher gab. Mitte vergangenen Jahres hat Kenneth Gjerrud sein norwegisches Restaurant „Munch’s Hus“ aufgegeben. In der Eisenacher Straße gibt es aber für die Freunde nordische Küche noch das „Fjord“. Eine Bar-Institution, die „Rote Beete“ und ebenfalls aus dem Kiez, hat nun, nach ungewollter Schließung des Stammsitzes, die Räumlichkeiten übernommen. Doch nicht mehr als reine Trinkstätte.
Die neue „Rote Beete“ ist ein Café mit Bar (kleine Auswahl, Gutes im Glas) und auch Bistro. Wobei tagsüber der Fokus eindeutig auf der Verköstigung mit Mittagstisch, Paninis, hausgebackenem Kuchen und am Wochenende auf Frühstück liegt.
Eine sehr gut gelaunte Servicedame bringt die Speise- und Getränkekarte an den Resopaltisch. Es ist wunderbar unaufgeregt hier, wozu auch die dezente Hintergrundmusik beiträgt. Wie gesagt, heute hätte man sich für die Klopse (12,50 Euro) entscheiden können. Doch schon wie beim gestrigen Besuch stehen auch eine türkische Linsensuppe (8 Euro), weiße Bohnen mit Rindfleisch in Tomatensoße und Reis (12,50 Euro) sowie der Rote-Beete-Crêpe mit Champignon-Curry-Sauce (10,50 Euro), ergänzt um Hähnchenbruststreifen (dann 12,50 Euro) auf der Karte.
Klar, beim Café-Namen, muss es der Crêpe sein. Dessen rote Farbe kommt tatsächlich durch die Verwendung der Rübe zustande. Er tritt geschmacklich in den Hintergrund, überlässt der Champignon-Curry-Soße den Vortritt. Die wiederum setzt eindeutig auf Currypulver. Mit geschlossenen Augen könnte man sich beim Asiaten wähnen. Das Hähnchen erweist sich als zartes Plus und kann prächtig in der Soße baden.
Bodenständige und anständige Teller im „Rote Beete“
Weder muss bei diesem Teller nachgewürzt werden, noch bei den weißen Bohnen. Einem Eintopf gleich präsentieren sie sich mit dem Rind in der Tomatenbasis. Der Reis erhebt sich wie eine Insel in der Mitte. Was man erwartet, bekommt man, einen bodenständigen und anständigen Teller.
Weil das Gebäck richtig gut aussieht und in den Etat passt, kommt ein Stück Blaubeer-Frischkäse-Torte genau richtig. Pralle Beeren, mürber Boden und eine frische, nicht zu süße Creme – man kullert nicht aus der „Beete“, ist jedoch wohlig gesättigt.“
Berliner Morgenpost, 2.10.2026
von Manuela Blisse, Freie Mitarbeiterin